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| Ururenkel von Hudson Tayor über China im Fokus der Weltmission |
| (von Renate Bloess - 31.10.2008) |
China im Fokus der Weltmission - missionarische Perspektiven entwickeln
Mission ist Dynamik, die Gemeinden in Bewegung setzt. Mission verbindet, weil sie Nationen, Kulturen und verschiedene Erfahrungshorizonte zusammenbringt.
Dies wurde deutlich in Jamie Taylors Vortrag am 28.10.2008 im Neues Leben-Zentrum. Jamie Taylor ist der Ururenkel von James Hudson Taylor (1832 -1905), dem Begründer der China-Inland-Mission (CIM) (1865), die als Glaubensmission entscheidend dazu beigetragen hat, das "Reich der Mitte" seit Mitte des 19. Jh. mit dem Evangelium zu erreichen.
Bei der überaus gut besuchten Veranstaltung, zu der sich Missionsinteressierte aus den umliegenden Gemeinden und Studierende und Dozenten des Neues Leben-Seminars zusammen gefunden hatten, erschloss Taylor seinen Zuhörern das enorme Potential der Gemeinden in China, deren Zahl trotz ungünstiger politischer Verhältnisse weiter wächst. Die Zahl der Christen betrug im Jahre 1952 ca. 1 Million und ist trotz des kommunistischen Regimes auf mittlerweile 80 bis 100 Millionen gestiegen. Das Wachstum verdankt sie engagierten "no-name missionaries", die auf eine sehr unkonventionelle Art und Weise ihr Christsein leben. Diese Tatsache stellt unter Beweis, dass es für Gott keine verschlossenen Türen gibt - auch wenn sie für Menschen angesichts politischer Umstände verschlossen erscheinen. Gottes Mission ist umfassender als die Mission der Gemeinde und ihrer Missionsgesellschaften.
Beeindruckend waren die persönlichen Begegnungen mit Gemeinden und Christen, von denen Taylor erzählte. So berichtete Taylor von einer alten Christin, die mit ihrem Mann in den 1940er Jahren mit den Großeltern Taylors zusammengearbeitet hat. Gott hatte diesem Ehepaar die Vision geschenkt, das Evangelium von China "Back to Jerusalem", zurück nach Palästina und speziell in die arabischen Länder zu bringen. Die politischen Umwälzungen im Jahre 1949 machten dies jedoch unmöglich. Das Ehepaar hat im Nordwesten der chinesischen Volksrepublik unter Muslimen gearbeitet und es sind dort mehrere Gemeinden entstanden.
Das "Staffelholz" des Evangeliums hat Arabien noch nicht erreicht, so die alte Chinesin, und es gibt viel zu tun für die nachfolgenden Generationen. Jamie Taylor hat von dieser alten chinesischen Dame symbolisch das "Staffelholz" übernommen und fragte seine Zuhörer: Seid auch ihr bereit, das Staffelholz des Evangeliums weiterzutragen?
Klassische Missionsarbeit, die in der Aussendung von Missionaren besteht, hat nach wie vor ihre Berechtigung. Doch angesichts der Tatsache. dass dies in vielen Ländern so nicht möglich ist, wird eine andere Strategie immer bedeutender. Die Welt benötigt nicht nur "professionelle Missionare", sondern auch "missionarisch lebende Professionelle", d.h. Geschäftsleute, Lehrer und Techniker, die als Berufstätige in die Länder mit den "kreativen Zugängen" (d.h. für professionelle Missionare unzugängliche Länder) gehen. Ihre Aufgabe ist es, an diesen Orten Evangelium angemessen und die jeweiligen Umstände berücksichtigend weiterzusagen und bei der Gründung von Gemeinden behilflich zu sein.
Taylor verwies in seinem Vortrag immer wieder auf die junge Gemeinde in Antiochia (vgl. Apg. 11 und 13), die in einer Situation der Verfolgung missionarisch aktiv war. Ein besonderes Augenmerk lenkte Taylor auf die Strategie der Diaspora. In Deutschland leben mehrere Millionen Menschen u.a. aus Ostasien, die hier arbeiten oder studieren. Sie warten darauf, von Christen in Deutschland mit dem Evangelium bekannt gemacht zu werden. Wir haben heute das große Privileg - so Taylor -, nicht mehr in ferne Länder reisen zu müssen, um interkulturelle Missionsarbeit tun zu können. Gott bringt die Nationen zu uns. Deutschland, so Taylor, hat hier eine strategische Rolle zu übernehmen.
Der kurze Bericht von Hans-Walter Ritter, dem Direktor des deutschen Zweigs der Überseeischen Missionsgesellschaft (engl. OMF, der Nachfolgeorganisation der CIM) zu Beginn der Veranstaltung, vermittelte einen sehr guten Einblick in die aktuellen Herausforderungen der Missionsarbeit in Ostasien. Die ÜMG ist auf der Suche nach 900 Missionaren für die vorwiegend von Buddhisten und Muslimen bevölkerten Länder Ostasiens.
Am Ende des Abends ging Jamie Taylor auf Fragen der Zuhörer ein und machte deutlich, dass sich China im Wandel befindet und dass die Möglichkeiten und Freiheiten für Christen in China immer mehr zunehmen. Dazu haben auch die Olympiade und die Öffnung des Landes während der großen Naturkatastrophen der jüngsten Zeit beigetragen. Dies gilt es als positive Entwicklung dankbar anzuerkennen - trotz aller Schwierigkeiten, mit denen chinesische Hausgemeinden auch zu kämpfen haben.
Dr. Alfred Meier
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